Warum Regionalität und Bio-Anbau einen Unterschied machen können
Wenn wir über Wasserverbrauch sprechen, denken die meisten Menschen zunächst an Duschen, Waschen oder Kochen. Tatsächlich macht dieser direkte Verbrauch jedoch nur einen kleinen Teil unseres gesamten Wasserbedarfs aus. Der weitaus größere Anteil entfällt auf sogenanntes virtuelles Wasser: die Wassermenge, die entlang der gesamten Produktionskette eines Lebensmittels oder Produkts benötigt wird. Das Konzept wurde Anfang der 2000er Jahre im Rahmen der Wasserfußabdruck-Forschung entwickelt und macht sichtbar, wie stark unser Konsum mit den Wasserressourcen anderer Regionen der Welt verbunden ist.

Besonders die Landwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Weltweit werden rund 70 Prozent der Süßwasserentnahmen für die landwirtschaftliche Produktion genutzt. Gleichzeitig unterscheiden sich Lebensmittel erheblich in ihrem Wasserfußabdruck. Dieser hängt nicht nur vom Produkt selbst ab, sondern auch von Standort, Klima und Anbauweise. So kann die Produktion von Lebensmitteln in trockenen Regionen einen deutlich höheren Bedarf an künstlicher Bewässerung verursachen als derselbe Anbau in niederschlagsreichen Gebieten.
Die Bedeutung des virtuellen Wassers wird besonders deutlich, wenn man auf importierte Lebensmittel blickt. Viele Gemüsearten, die auch in Deutschland konsumiert werden, stammen aus Regionen mit ausgeprägter Wasserknappheit. Ein bekanntes Beispiel sind Tomaten und Paprika aus Marokko. Tomaten gehören zu den wichtigsten Gemüseexporten des Landes in die Europäische Union, sie sind dort besonders im Winter gefragt. Gleichzeitig ist Marokko seit Jahren von Dürreperioden und Wasserstress betroffen: Nordafrika und der nahe Osten sind die wasserärmste Gegend der Welt, dort macht die Landwirtschaft ganze 80 Prozent des verbrauchten Süßwassers aus – in Europa sind dies lediglich knapp ein Viertel. Studien weisen darauf hin, dass insbesondere exportorientierte Kulturen wie Tomaten oder Zitrusfrüchte den Druck auf regionale Wasserressourcen erhöhen können.
Ähnlich verhält es sich in Südspanien, vor allem in den intensiven Gemüseanbaugebieten Andalusiens. Die Region Almería wird oft als „Gemüsegarten Europas“ bezeichnet und produziert große Mengen Tomaten, Gurken, Paprika und Zucchini für den europäischen Markt. Der Anbau erfolgt überwiegend in einer sehr trockenen Klimazone und ist in vielen Gebieten auf Bewässerung angewiesen. Dadurch wird deutlich, dass mit dem Import von Obst und Gemüse zugleich auch Wasserressourcen aus anderen Regionen Europas genutzt werden.
Insgesamt führt das Konsumverhalten in Deutschland zu einem Wasserfußabdruck von 7200 Litern pro Kopf und Tag. Davon fallen nur etwa 14 Prozent auf inländischen Wasserverbrauch, während Deutschland eines der wasserreichsten Länder Europas ist. Regionale und saisonale Ernährung können hier einen wichtigen Beitrag leisten und viele fliegen mit einer Klappe schlagen: Das benötigte Wasser stammt vermehrt aus natürlichen Niederschlägen und einer Region mit besserer Wasserverfügbarkeit. Dies gilt besonders dann, wenn die Erzeugung nach ökologischen Kriterien erfolgt und Maßnahmen zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit umgesetzt werden – zusätzlich schont ökologischer Landbau unser Grundwasser durch weniger Nitrateintrag. Ökologsicher Landbau schneidet zudem besser beim ökologischen und dem CO2-Fußabdruck ab, die immer in Betrachtungen zum eigenen Konsumverhalten einbezogen werden sollten.
Doch auch in Deutschland wird es trockener, und landwirtschaftliche Betriebe spielen eine Schlüsselrolle im Wassermanagement. Durch Regenwassernutzung, verdunstungsmindernde Bewirtschaftung mit angepassten Anbaukulturen, Bodenschutzmaßnahmen und Agroforstsystemen, die Bäume und Sträucher mit Nutzpflanzen kombinieren, können sie Wasserressourcen schützen und auf Klimaveränderungen reagieren. Nicht zuletzt werden wir auch unsere Ernährung hinterfragen müssen, denn der Konsum tierischer Produkte schlägt beim Wasserfußabdruck schwer ins Gewicht. Konzepte wie die „Planetary Health Diet“ bieten hier konkrete Ansatzpunkte, weiterführende Informationen hier im entsprechenden RegioPlus-Wissen Beitrag.
Quellen:
Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) (2026): Wasserfußabdruck: Wie viel Wasser steckt in landwirtschaftlichen Produkten? Bonn. Verfügbar unter: https://www.landwirtschaft.de/umwelt/natur/wasser/wasserfussabdruck-wie-viel-wasser-steckt-in-landwirtschaftlichen-produkten [landwirtschaft.de]
Umweltbundesamt (2022): Wasserfußabdruck: Wie viel Wasser verbrauchen wir tatsächlich? Dessau-Roßlau. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasser-bewirtschaften/wasserfussabdruck [umweltbundesamt.de]
Heinrich-Böll-Stiftung (2025): Gemüseanbau in Spanien: Wassermangel & Dürre im Gemüsegarten Europas. In: Wasseratlas 2025. Verfügbar unter: https://www.boell.de/de/2025/01/08/gemueseanbau-spanien-wassermangel-duerre-im-gemuesegarten-europas
Ökolandbau.de (2026): Virtuelles Wasser: Was hinter unserem Wasserverbrauch steckt. Verfügbar unter: https://www.oekolandbau.de/umwelt-und-gesellschaft/umweltleistungen-der-landwirtschaft/wasserschutz/virtuelles-wasser-was-hinter-unserem-wasserverbrauch-steckt/ [oekolandbau.de]
Ren, Z. et al. (2024): A global meta-analysis on the effects of organic and inorganic fertilizers on plant biodiversity and biomass. In: Nature Communications, 15. DOI: 10.1038/s41467-024-47829-w.