Regionalität

Reis auf Reisen

Lebensmittel und Wege neu denken

Ernährungstrends führen uns häufig unversehens in weite Ferne: Tofu, Quinoa, Chia-Samen oder auch nur das sehr beliebte Olivenöl. Wir bekommen das alles im nächsten Laden. Vom mediterranen Raum mit rund 1000 km Weg bis zu Lateinamerika und Asien mit locker 10.000 km Luftlinie kaufen wir häufig Weitgereistes hier ums Eck ein. So gesehen hat auch der Reis aus Italien schon einen Nähe-Bonus im Vergleich zu Reis aus Indien.

Aber muss es der allererste Spargel im März aus Italien denn wirklich schon sein, wenn es bis Februar noch die heimische Schwarzwurzel gab?

Die Frage des weltwärts gerichteten Einkaufskorbes entkoppelt uns von der Saisonabhängigkeit. Aber es geht um viel mehr verschiedene Aspekte.
Ohne Zweifel ist die Erfahrung von exotischen Früchten und Gewürzen, überhaupt Geschmäckern, eine Horizonterweiterung im besten Sinn. Die Möglichkeiten der Globalisierung haben uns eine willkommene Vielfalt in den Speiseplan gebracht.

Allerdings ist auch das zur gedankenlosen Selbstverständlichkeit geworden und deshalb bringt es viele Nachteile mit sich. Die in großen Mengen um den Erdball transportierten Waren, zum Teil mit Kühlung und per Flugzeug, fressen eine ebenso große Menge an Energie und tragen damit erheblich zum Klimawandel bei. Viele Früchte müssen aufgrund längerer Transportzeiten vorzeitig geerntet und nachgereift werden, auf Kosten des Geschmacks. Manchmal handeln wir uns mit ihnen Chemikalien ein, die in Europa aus gutem Grund schon lange nicht mehr zugelassen sind.

Der Nachteil, der uns am Nächsten liegt, ist die verlorene Wertschöpfung für unsere heimische Landwirtschaft. Eine Kostprobe nehmen, kosten, Verkostung bedeutet im Wortsinn ja den Wert einer Speise zu schätzen. Wertschätzung ist wiederum die Voraussetzung für Wertschöpfung. Wenn ich die Nahrung probiere und schätzen lerne, die in meiner unmittelbaren Umgebung entsteht, wenn ich diese Vielfalt nutze, kommt das direkt den Bauern der Heimat zu Gute. Die Vielfalt kann nur so groß sein, wenn die Bauern wissen, dass sie ihre Produkte zu einem vernünftigen Preis auf den Markt bringen können. Worte wörtlich nehmen öffnet den Blick für Zusammenhänge.

Olivenöl ist sehr lecker zu mediterranen Gerichten und zudem sehr gesund. Gleichwertiges in regional? Fränkisches Rapsöl hat einen fein nussigen Geschmack und ein ideales Fettsäurespektrum, das es zum gesündesten der gängigen Speiseöle macht.
Heimischer Leinsamen bietet alle Vorteile des Chia-Samens auf mindestens gleichem Niveau. Wo bleibt eigentlich der Leinsamen-Trend?
Mirabellen müssen den Vergleich mit einer Flugananas nicht scheuen.
Soja und Quinoa wächst inzwischen sogar hier bei uns, wir müssen nur spätestens beim Griff ins Regal darauf schauen, wo die Produkte herkommen. Linsensalat mit Räuchertofu kann auch fränkisch sein.

Eine Geschmackslandkarte im Kopf zu haben ist eine wunderbare Erfahrung neben der Last des notwendigen Einkaufs. Mit ihr lässt sich das Erstellen von Speiseplan und Einkaufszettel genussvoll gestalten.
Es sollte uns ein wenig Aufmerksamkeit wert sein, beim Einkauf den Aspekt der Regionalität im Auge zu behalten. Nur dann kann unsere landwirtschaftliche Schatzkammer vor der Haustür erhalten werden – und mit ihr Kulturlandschaft, Klima und Artenvielfalt. Mehr geht nicht.

Weiterführende Informationen:

https://www.mein-klimaschutz.de/beim-einkauf/a/essen/was-sind-regionale-lebensmittel/

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/regionale-lebensmittel-11403

https://www.regioapp.org/

https://original-regional.metropolregionnuernberg.de/

Ein Kommentar zu “Regionalität

  1. Das Video war sehr interessant!

    Man kann aus Urgetreide wie Dinkel, Einkorn und Emmer, dass biologisch und vor Ort angebaut wird einen sehr guten Reis kochen!
    Da weiß man das es Regional angebaut und verarbeitet wird und 100 % Bio-Regional ist und nicht um die ganze Welt gereist ist!

    Gefällt mir

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